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Andreas Vichr is community consultant and coach in social future media. And he likes to cook.

For many years Andreas Vichr has been at the forefront of innovation in the German multimedia and Internet culture.

After completing his law studies at the LMU Munich he researched in the field of human interface design and artificial intelligence. In 1988 he co-founded Medialab GmbH. Medialab was an innovative and leading new-media agency and has won many awards. As CEO he oversaw key accounts such as Apple, Microsoft, BMW, Audi, Sony, BMG and Philip Morris. Since 2000 he lives and works in Spain and Germany.

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Posts tagged “gadget”

#avgadgetsMy first mobile gadget anno 2001 and my current toy.
I will never sell my 1gen iPod.

Shot with Fuji X10. Edited with Snapseed for Mac.

iPhoney - das Gadget das sprechen kann.

 

Geschichten aus dem digitalen NeoBiedermeier.


Hier spricht ein zersplittertes iPhone der ersten Stunde. Äusserst frustriert weil es Draussen nicht surfen darf. Aber es geschehen noch Wunder - selbst nach dreieinhalb Jahren.


MEINE GEBURT: Ich bin ziemlich Happy - heute war ein guter Tag für uns Gadgets. Dass endlich mobiles surfen, immer und überall für mich geht freut mich sehr. Ich bin iPhoney, ein ziemlich zerdeppertes iPhone der ersten Generation. Im US Apple Shop “einfach so” gekauft. Denn damals ging das ja. Ohne Vertrag und Bindung. Ich war damals mit Abstand das heisseste Teil dass jeder haben wollte. Aber Herrchen bestand darauf: “Kein ganz neues Gerät der ersten Generation - auch nicht von Apple.” Gut, ich wurde dann doch noch gekauft - kurz vor dem Abflug im Januar 2007. Und meine Schachtel wegen dem bösen, deutschen Zoll einfach so weggeschmissen! Aber so kann ich Euch wenigstens meine Geschichte erzählen. Ich darf das. Herrchen meinte gerade vorher: “Nö ich hab keine Lust - erzähl du das doch selbst wenn dir das so wichtig ist.”

ZOLL UND SÜNDE: Künstliche Kratzer wurden mir wegen dem Zoll nicht gleicht gemacht, aber kurz darauf. Aber zu dieser unglaublichen Geschichte komme ich gleich. Mit mir wurde angegeben - wie verrückt. Gleich in Deutschland und später in Spanien. So viele von mir gab es ja damals noch nicht. Ich war ganz neu und heiss. Jeder war wie gebannt wenn er mich sah und wollte mich anfassen. Ich konnte zwar nicht surfen ausser zuhause aber das war mir egal. Bilder rumschieben machte mir am meisten Spass. Und die grossen Augen der Bewunderer beobachten, beim Daumen-Zeigefinger-Aufzoomen.

NICHT SURFEN: Ich quengelte natürlich sofort rum: “Ich will auch ins Internet wenn ich draussen bin. Warum immer nur im langweiligen passwortgeschützen Wifi-Hausnetz? Da bewundert mich ja gar keiner wenn ich unterwegs Google oder Wikipedia-Fundstellen hervorzaubere.” Ich hatte gehört dass damit manchmal ganze Gruppen von Herrchen und Weibchen in Wallung zu bringen waren. Mobiles Internet - immer und überall - war der absolute heisse Scheiss der damaligen Zeit. So wurde mir das jedenfalls erzählt, von den anderen iPhones der ersten Stunde, die viel tollere Verträge hatten als ich.

NUR ANGEBER: “Mein Herrchen zahlt für mich locker 80 Euro pro Monat - und das auf 2 Jahre fest.” sagte das eine iPhone. “Das ist doch gar nix” meinte das andere. “Mein Herrchen gönnt sich dazu noch die sündteuren Roaming-Gebühren wenn er mit mir in den USA und Spanien surft.” “Hah - und meiner steckt mir in USA und Spanien eigene iPhone Zwei-Jahreverträge in den SIM-Schlitz - das ist geil.” Da waren dann auch die meisten anderen iPhones still und ich schämte mich in Grund und Boden. Gerade mal zuhause surfen dürfen. Unterwegs nichts ausser telefonieren, Fotos und Musik. Die meisten Bewunderer fanden mich aber trotzdem toll. So redete ich mir das immer schön und stellte mir vor, ich würde gerade surfen. Das half ein wenig.

VERNUNFTEHE: Gut ich konnte mein Herrchen schon irgendwie verstehen. Ich las ja immer beim Google-Suchen heimlich mit. Gejailbreakt war ich ja schon, da ist Herrchen fix. Aber so viel SIM-Auswahl gab es nicht. Das Mantra konnte ich schon nicht mehr hören: “Keine Vertragsbindung fürs Telefonieren! Surfen draussen muss nicht sein.” Ich kam mir vor wie ein kleines Kind. Aber gut, in drei Ländern gleichzeitig telefonieren UND surfen können war fast nicht zu machen. Schon gar nicht mit ungehackten Original-iPhones. So sagte ich zu den anderen Angeber-iPhones: “Alles schön und gut. Ich darf zwar nicht draussen surfen aber zumindest stecken bei mir immer wieder mal andere SIM Karten drin. Das geht bei Euch ja gar nicht.”

SCHÖNE FOTOS: Richtig schlimm wurde es aber dann in Las Palmas. Eigentlich ist es dort sehr schön. Das Klima angenehm und die Las Canteras Promenade hat was. Mein Herrchen war so angetan von der Idylle und wollte ein Foto machen. Mit mir wurde vorher noch iPod gehört, der Kopfhörer steckte noch drin, ich war in der Brusttasche und wurde mit grosser Geste rausgezogen. Irgendwie blieb ich aber hängen und träumte trudelnd vor mich hin: “Heute machen wir aber ganz besonders kunstvolle Wurf-Aufnahmen!” Das dachte ich bis ich landete.

DER FLUG: Ich flog im höchstmöglichen Bogen direkt auf den Steinboden. Ich dachte ich zerspringe in tausend Scherben, Siliconchips und sonstigen Teilchen. Herrchen kam völlig perplex hergelaufen, hob mich auf und sagte nur: “Gut - das ist jetzt hin.” Nicht nur dass ich plötzlich nicht mehr “iPhone” hiess sondern nur noch “das” - nein, ich wurde auch sofort abgeschrieben. Ich sah zwar wirklich schrecklich aus. Vom Einschaltknopf bis zur Mitte nichts als Sprünge. Teilweise sogar Löcher im Glas und überall Brösel und Splitter. Reflexartig drückte er meinen Einschaltknopf. Ob ich dabei explodieren würde, daran dachte er nicht.

GEHT´S NOCH? Ich konnte selbst kaum glauben dass mein Highlight, die Multitouch-Logik, noch funktionieren würde. Das Glas ist als Schutz vor Kratzern und für die geschmackvolle Darstellung von Fingertappern gedacht. Der Multitouch-Chip sagte aber cool: “Mir doch egal ob sich Herrchen an den Splittern blutige Finger tatscht. Ich bin kapazitiv gebaut und messe seine Spannung. Dass kann ich auch mit kaputten Dekoglas.” Ausserdem hatte sich das SirSteve so ausgedacht: Häufigere Neuanschaffungen wegen häufig zersplittertem Glas sind durchaus gewollt.

LANGEWEILE: Der Anfang der Geschichte war turbulent. Jetzt straffe ich: Die nächsten drei Jahre waren recht langweilig. Mit der Angeberei hatte es sich bald. Ich war zwar noch irgendwie heiss aber nicht mehr selten. Die meisten anderen iPhones durften surfen. Ich war der totale Aussenseiter. Gejailbreakt, mit zersplitterter Frontscheibe und darüber hinaus ohne Surf-SIM. Ich tat meine Dienste und Herrchen war irgendwie zufrieden. Er dachte sich wahrscheinlich: “Draussen brauch ich nicht surfen und ein gecrashtes iPhone will keiner klauen - prima.” Das gab mir Sicherheit und verwickelte mich manchmal in nette Gespräche. Meist legte mich Herrchen nicht verschämt auf den Bauch sondern provozierte Fragen wie: “Ooch - was ist denn damit passiert?”

VERZWEIFLUNG: Mein Herrchen ist zwar eigensinnig aber auch wiederum treu. Weder mein 3G noch mein 3GS Nachfolger wurde drei Jahre lang angeschafft. Ich durfte weiter in seine Hosentasche. Er war auch irgendwie Stolz auf mich und sagte: “Das werde ich nie hergeben - mein Trash-iPhone.” Als aber dann ab Januar 2010 Herrchen großspurig rum-erzählte, “Ich weiss nicht ob ich mir gleich die erste Generation vom iPad gönne. Das neue, vierte iPhone wird’s aber bestimmt.”, bekam ich Panik. Ich kam mir richtig billig vor.

BLANKE PANIK: Immerhin durfte ich 2009 zumindest in Deutschland draussen meine ersten Surf-Versuche machen. Zwar unglaublich langsam mit EDGE, aber mehr konnte ich ja eh nicht. Von O2 Deutschland gab’s plötzlich Drei-Monats-Daten-Verträge für unter 10 Euro. Da konnte Herrchen zumindest in Deutschland über seinen Schatten springen und gönnte sich und mir den Spass. Nur wie würde es in Spanien sein? Ich bekam die blanke Panik? Denn immerhin war der sauteure 60 Euro-DSL-Festnetz-Vertrag in Spanien bereits gekündigt. Das heisst ja, ich würde nicht mal mehr im WIFI-Netz surfen können. Und Herrchen war es scheinbar egal. Nichts wurde organisiert vor der Abreise.

SIEBZEHNER: Die Promenade am Las Canteras Strand kannte ich ja schon. Das Klima war wieder wunderbar. Ich sass da so mit Herrchen auf einer Promenadenbank und die App WifiTrak fuhrwerkte herum. Und plötzlich fand sie ein freies WIFI-Netz. Ich machte virtuelle Luftsprünge und heimlich komplexe Multitouch-Gesten. Doch die Freude war kurz. Der andere Gadget-Freund von Herrchen kam mehr zum Zug. Plötzlich wurde gar kein neuer Festnetz-DSL-Anschluss in Erwägung gezogen sondern Herrchen sass zweimal täglich auf der Promenadenbank. Aber nicht mit mir sondern mit dem dem MacBook Pro. Siebzehner war superstolz. Das hatten sie meisten noch nicht gesehen. Den leuchtenden Apfel auf so einem grosses Display - direkt am Strand.

WARTEN AUF SIM: Ich hegte Hoffnung. Siebzehner sagte mir dass ganz akribisch nach alternativen Surflösungen und SIM-Anbietern gesucht wurde. Sowohl für Siebzehner wie für mich. Aber wie soll das gehen. Herrchen wäre sicher nur einverstanden wenn die Surf-Kosten einigermassen im Rahmen bleiben würden. Und tatsächlich - es wurde ein Anbieter gefunden, der nur 3 Cent pro MB will. Anrufe nach Deutschland kosten mit masmovil.es auch nur 7 Cent pro Minute. Das klang fast zu gut um wahr zu sein. Aber es war ja gerade Ostern.

IN’S WASSER: Kurz vor dem schönen Tag war ich wieder völlig verzweifelt, ja geradezu depressiv. Meine Surf-SIM war zwar geordert aber sie kam nicht. Und die andere Surf-SIM von Simyo für den Siebzehner ging nicht. Keine Einwahl möglich. So blieb es wie bisher bei Siebzehner-Surfen an freien Wifi-Hotspots und Steinzeit-Nutzung für mich. Immer mehr iPad News wurden gelesen und geheime iPhone 4 Features ausgekundschaftet. Mir war zum heulen zumute. Ich wollte fast wieder so im hohen Bogen rumfliegen - nur dieses mal direkt ins Wasser. Was ist das für ein Leben. Kein surfen erlaubt, nicht mal im Haus, bereits über drei Jahre alt, verkratzt, zersplittert und selbst SirSteve kündigt mir den künftigen 4.0 Update auf.

DAS WUNDER: Und dann geschah es. Der gute Tag von dem ich oben gesprochen hatte. Herrchen fand meine Draussen-Surf-SIM-Karte plötzlich doch im Postkasten. Die Osterfeiertage hatten die Auslieferung um eine Woche verzögert. Und plötzlich geht auch der Surfstick für den Siebzehner. Herrchen hatte einfach “aus Jux” die PIN geändert. Plötzlich stand die HDSP Verbindung und ich bekam gleich neue App-Updates zum installieren. Was für ein schönes Leben. Selbst belanglose Facebook-Statusmeldungen posten dürfen ist spannend und toll. Jetzt kann das iPad und das neue iPhone kommen. Ich bin zufrieden und glücklich. Mein Leben hat plötzlich Sinn. Ich durfte endlich draussen surfen.

Euer iPhoney

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